Rote Hand des Unheils

Kriegstagebuch von Stanley Vraath - Gesammelte Einträge I

6. Arodus 4005 AR
Ankunft in Nimons Lücke. Ich bin bereits vor einigen Tagen in das Elsirtal hinabgeritten und befinde mich seither zielstrebig, doch ohne unnötige Eile, auf dem Weg in Richtung meiner Erbschaft. Was ich bisher zu sehen bekam gefällt mir. Das Korn auf den Feldern ist so reichhaltig, dass sich die Ähren kaum noch aufrecht halten können, es wechseln sich dichte Wälder und lichte Obsthaine ab. Das Wetter ist heiß und trocken, wie man mir mehrmals sagte durchaus nicht ungewöhnlich für diese Gegend, allerdings in dieser Form auch schon lange nicht mehr erlebt. Das Reiten wird dadurch zur Last, doch haben mich beständige Gerüchte von Goblinbanditen vorsichtig gemacht und davon abgehalten ungerüstet zu reisen.
Im „Schielenden Betrachter“ (Einziger Gasthof vor Ort) geriet ich an meine gegenwärtige Reisebegleitung. Es handelt sich um einen Druiden (Raydon Ó Doiridh, Mensch, unbestimmbares Alter), eine Waldläuferin (Elesil, Elfe, unbestimmbares Alter) und eine Priesterin einer obskuren Gottheit (Tara, Rest unbestimmbar). Wir saßen zufällig am gleichen Tisch und stellten fest in die gleiche Richtung zu reisen. Da alle von den Gerüchten über Banditen entlang der Straße gehört hatten erschien es vernünftig am Morgen gemeinsam aufzubrechen. Der Druide und die Waldläuferin gaben eben jene Banditen als den Grund ihrer Reise an, sie scheinen Agenten eines Druidenzirkels zu sein. Die Priesterin scheint irgendein nahendes Ereignis in Zusammenhang mit ihrer Religion zu erwarten. Ich hielt es für angebracht meine Identität nicht zu früh zu offenbaren und gab mich als ehemaligen Soldaten auf der Durchreise aus.

10. Arodus 4005 AR
Heute Morgen Aufbruch aus Terrelton, erwarten gegen Abend in Drellins Fähre zu sein. Zur Mitte des Tages Bekanntschaft mit den seit Betreten des Tales angedrohten Goblin Plünderern gemacht.

Truppenstärke Feind
6 Goblins – Armeetypisch gerüstet (Ungewöhnlich).
3 Kampfhunde.
3 Hobgoblins – Armeetypisch gerüstet, hoher Kampfwert (Generell nicht ungewöhnlich, nur warum als Strauchdiebe? Anführer könnte auch Zugführer in Hobgoblin Kompanie sein).
1 Hobgoblin Kriegspriester (Zu wertvoll für das hier).
Aufstellung Feind
Umschließungsversuch durch leichte Goblininfanterie. Veteranreserve bei nahem Gehöft stationiert, um Ausbruchsversuchen zu begegnen.
Entwicklung
Rechte Zange konnte lange genug immobilisiert werden, um zunächst die linke Zange komplett aufzureiben. Konnte Hobgoblin Veteranen bis zur Vernichtung durch Scharfschützen binden. Der Anführer trug uns unbekannte Hoheitszeichen. Eine Rote Hand auf gelben Grund. Der Kriegspriester betete offenbar zu Tiamat (böse Göttin der Drachen). Nicht typisch aber auch nicht gänzlich unerklärlich (Monströse Gottheit).

Am späten Nachmittag erreichten wir endlich Drellins Fähre. Der Ort hat seinen Namen von der Fähre, die durch die Drellin Familie betrieben wird. Alternativ ragen die immer noch äußerst soliden Pfeiler der zerstörten Zwergenbrücke aus dem Flussbett. Wiederaufbau der Brücke und Sicherung der Zwergenstraße durch eine Festung könnte den Handel Auftrieb verleihen (Pläne müssen mit der Verwaltung besprochen werden, sobald die Festung gesichert ist). Bei der Ankunft werden wir von der Stadtwache unter Feldwebel Hersk (Scheint ein guter Mann zu sein, unerfahren aber vielversprechend) und einer eilig ausgehobenen Bürgerwehr empfangen. Man feiert uns wie Helden, die Nachricht von dem Überfall scheint uns vorausgeeilt zu sein.
Wir verlieren keine Zeit und treffen umgehend den Kontaktmann der Gesandten des Druidenzirkels. Avarthel (Schwerhörig aber auch leicht dement) hat die Lage hier nicht mehr unter Kontrolle. In Anbetracht unsere eigenen Erfahrungen scheinen seine Ausführungen über Hobgoblinüberfälle glaubhaft. Die Lage gefällt mir nicht, ich hoffte in einen weitestgehend friedlichen Landstrich zu kommen.

11. Arodus 4005 AR
Wir brechen in den Hexenwald auf. Unsere Zufallsgesellschaft bleibt beisammen. Die Vraath Feste scheint Zentrum der Hobgoblin Aktivitäten nahe Drellins Fähre zu sein. Die Gesandten des Zirkels wollen dies Untersuchen. Ich begnüge mich bis zum Erreichen der Burg weiterhin ein ehemaliger Soldat auf Durchreise zu sein. Wir erreichen die Burg in der Dämmerung. Zuvor trafen wir noch einen misstrauischen Einsiedler namens Jorr (Scheint ein kompetenter Fährtensucher zu sein. Zukünftiger Förster?). Seltsame Spukerscheinung in der Nacht. Wird von unseren Spähern als Täuschung des Feindes erkannt. In der Festung ist mit gegnerischem Widerstand zu rechnen.

12. Arodus 4005 AR
Unruhig geschlafen. Im Morgengrauen werden wir die Burg erkunden. Keine offensichtlichen Aktivitäten zu erkennen. Unsere eigenen Späher sichern die Umgebung der Festung. Keine Anzeichen für einen Hinterhalt. Wir betreten die Festung ungehindert und können die feindlichen Kräfte überraschen.

Truppenstärke Feind
2 Wargreiter (Ich hasse Wargreiter).
3 Kampfhunde.
4 Hobgoblins – Armeetypisch gerüstet (Wie vor zwei Tagen).
1 Hobgoblin Kriegspriester (Erneut: zu wertvoll für das hier).
1 Minotaur (Was zur Hölle?)
1 Tatzelwurm (Monströse Humanoide – Monströse Haustiere)
Aufstellung Feind
Gegnerische Seite offenbar vollkommen überrascht. Keinerlei Vorbereitung. Keinerlei koordinierte Abwehrstrategie. Sehr seltsam. Eindeutiger Bestandteil einer Armee, die nicht mit einem Gegenangriff gerechnet hat.
Entwicklung
Sofortige Eroberung der Stallungen. Ausgleich der zahlenmäßigen Überlegenheit durch Nutzung der Engstelle. Zähes Abnutzungsgefecht, unter Vermeidung eines offenen Kampfes im Burghof. Die Festung fällt in unsere Hände. Das gleiche Hoheitsabzeichen wie auf der Straße nach Drellins Fähre. Ab jetzt Gewissheit. Keine Banditen. Kampfpläne des Feindes konnten erbeutet werden (Eigener Bericht).

Meine Burg ist Enttäuschung und Hoffnungsschimmer zugleich. Sie ist eindeutig unbewohnt und seit Jahrzehnten verlassen (Nicht komplett schlecht, wie wäre mit einem etwaigen unkooperativen Burgherren zu verfahren?), allerdings auch nicht unreparierbar zerstört (Trotzdem wird es nicht leicht werden hier erneut einen Haushalt aufzubauen. Gold und Reputation vonnöten). Bei einer Untersuchung stoßen wir auf ein Kellergewölbe das seit dem Fall der Burg nicht mehr geöffnet wurde. Neben den letzten Besitztümern meiner Familie enthielt es auch die Besitzurkunde der Festung. Ich nutze diese Gelegenheit meine Identität zu offenbaren, nun da ich meinen Stand rechtskräftig belegen kann. Wertvollstes Erbstück ist Eis, das Familienschwert der Vraaths, kalt schimmernd mit einem stilisierten V auf dem Knauf. Seit vielen Jahrzehnten von den knöchernen Fingern von Emery Vraath gehalten, der hier unten sein Ende fand. Er führte Buch über seine letzten Tage in diesem Gewölbe und so lässt sich der Untergang der Festung rekonstruieren. Offenbar gab es eine Fehde mit einem Clan von Riesen, gegen den Emery einen entscheidenden Schlag führte. Die Riesen waren jedoch nur scheinbar geschlagen, zumindest konnten sie genügend Kräfte für einen Überraschungsangriff während der Siegesfeierlichkeiten aufbieten und die Festung einnehmen. Die Beschädigungen an der Burg passen gut zu der Beschreibung in den Tagebüchern.
Mir gelang es umgehend entscheidende Weichenstellungen vorzunehmen, indem ich mit dem Druidenzirkel der Hüter von Eth, repräsentiert durch den offenbar mit Sondervollmachten ausgestatteten Agenten Raydon Ó Doiridh, einen Vertrag schloss. Gegen weitere Hilfe bei der Erfüllung seiner Mission wurde mir die magische Reparatur der Festung garantiert. Ein guter Handel, da die Festung ohne eine Befriedung des Tales ohnehin wertlos ist.

12. Arodus 4005 AR (Sondereintrag – Untersuchung der Angriffspläne der „Roten Hand“)
Bei der Rückeroberung der Vraath-Feste wurde auch ein detaillierte Angriffsplan des Feindes (Im weiteren „Rote Hand“ in Anlehnung an das mehrfach gesichtete und auch auf der Karte eingezeichnete Hoheitszeichen) erbeutet. Der Name des Ehemaligen Kommandanten (Bei der Rückeroberung gefallen, keine Befragung möglich) sollte als „Koth“ angenommen werden, zumindest ist die Vraath-Feste als „Koth-Basis“ auf der Karte eingezeichnet. Die Karte legt nahe, dass sich eine größere Streitmacht unter einer Kreatur mit Namen „Kharn“ in der Nähe des „Zunderhügels“ sammelt („Alle Stämme sammeln sich hier unter Kharn“). Diese scheint bei Drellins Fähre den Fluss kreuzen und dann das Elsirtal von Westen her bis Brindol aufrollen zu wollen. Die Eroberungspläne folgen einem stricken Zeitplan, wobei der erste größere Schlag gegen Drellins Fähre für den fünften Tag des Feldzuges geplant ist. Die ganz in der Nähe der Vraath-Feste gelegene strategisch wichtige Brücke über die „Schädel-Klamm“ scheint zur Zeit von einem Kommandanten namens „Ozurrendion“ gehalten zu werden, um den Vormarsch zu sichern („Ozurrendion hält, bis die Rote Hand quert“). Der Umstand, dass die ebenfalls vermerkte Vraath Feste von starken Kräften gehalten wurde verleiht der Karte Glaubwürdigkeit. Es scheint, dass für diesen Plan gute Vorarbeit durch Kundschafter geleistet wurde. Der Feind nimmt sehr richtig an, dass erst in der befestigten Stadt Brindol mit echtem Wiederstand zu rechnen wäre. Der Fluss ist an sich ein gutes natürliches Hindernis doch in Drellins Fähre existieren keine Kräfte die stark genug wären diesen zu halten.
Es ist dringend geboten, die wahre Größe der gegnerischen Streitmacht und den Stand der Aufmarschvorbereitungen zu bestimmen und in Abhängigkeit davon entweder einen Halteversuch bei der „Schädel-Klamm“ oder eine Evakuierung von Drellins Fähre zu organisieren.

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Flo

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