Rote Hand des Unheils

Kriegstagebuch von Stanley Vraath - Gesammelte Einträge IV

15. Rova 4005 AR – Abend

Die Schlacht von Brindol endete mit einem Sieg der Allianz von Fürst Jarmaath von Brindol über die Rote Hand und ihre Verbündeten unter dem Feldherrn Kharn. Azarr Kul allerdings, der sich „Sohn des Drachen“ nennende Anführer der Roten Hand, war nicht zugegen. Sofern er in Folge der Niederlage nicht das Tal verlassen haben sollte, sind die Wyrmrauchberge im Moment sein wahrscheinlicher Aufenthaltsort.
Die Rote Hand ging gegen die befestigte Stadt Brindol in der erwarteten Manier eines inhomogenen Zusammenschlusses aus Goblinoiden Stämmen und anderen monströsen Humanoiden vor. Es wurde keinerlei längere Belagerung vorbereitete, sondern ein direkter Sturm der Mauern mit allen Kräften versucht. Diese oft gesehene Strategie ist nicht zwangsläufig, wie häufig angenommen, das Ergebnis mangelnder Feldherrenkunst, sondern eine direkte Folge der instabilen Natur dieser Sorte Gewaltbündnisse zwischen in zahllosen Fehden verfeindeter Stämme.
Glücklicherweise hatte Fürst Jarmaath uns in den Kreis seiner Vertrauten aufgenommen, wodurch es uns möglich war Einfluss auf Details der Verteidigungsstrategie zu nehmen, die meiner Eischätzung nach nicht unerheblich für den siegreichen Verlauf der Schlacht waren. Insbesondere konnten absehbar verlustreiche offene Schlachten im Vorfeld vermieden werden. Ebenfalls waren wir in der Lage einen sinnvollen Kommunikationskanal mit unseren fliegenden Aufklärern einzurichten.
Mir selbst und meinen Gefährten viel die Rolle einer schnellen Eingreiftruppe zu, in deren Ausübung wir von einer Abteilung der Löwen von Brindol unter Teyana Surah unterstützt wurden. Unsere erste Probe war der Schutz der Mauer vor eine Gruppe Hügelriesen, die diese mit Felsen bombardierte. Wir konnten die Situation erfolgreich durch einen entschlossenen Ausfallangriff bereinigen.
Unser nächster Einsatz konfrontierte uns mit der zentralen Angriffsstrategie der Roten Hand. Mit Hilfe ihrer Drachen versuchten sie im Ostteil der Stadt einen Brand auszulösen, während gleichzeitig an der westlichen Mauer der Hauptangriff erfolgte. Da wir die einzigen Verteidiger waren, die bereits mehrfach erfolgreich gegen Drachen gekämpft hatten, viel uns das Los zu, den Angriff im Osten abzuwehren. Wir sahen uns dem bislang größten dieser Reptilien gegenüber, ein roter Drache bei dem es sich, wie wir später herausfinden sollten, um das Reittier der Feldherren selbst handelte. Wir konnten den Drachen erschlagen und die Brände löschen. Die Verteidiger auf der anderen Seite der Stadt waren jedoch weniger erfolgreich und der Roten Hand gelang der Durchbruch durch die Mauer. Die für solche Ereignisse in Reserve Gehaltenen Zwergen Söldner der Hammerfaust versagten leider kläglich bei dem Versuch die Eindringlinge zurückzuwerfen. Zusammen mit den mittlerweile wieder zu uns gestoßenen Löwen von Brindol errichteten wir eilig eine Barrikade, um weiteres Eindringen in die Stadt zu verhindern. Wir konnten hier drei Wellen an Gegnern zurückwerfen, bis die Kraft des Vorstoßes gebrochen war. Die uns zugeteilten Löwen hatten tapfer gekämpft mussten jedoch in der Folge den Kampfplatz Richtung Lazarett verlassen.
Der Hauptangriff war Abgewehrt, doch waren offenbar Kommandoeinheiten der Roten Hand in die Stadt eingesickert die versuchten Offiziere zu töten und zentrale Einrichtungen zu zerstören. Leider wurde Fürst Jarmaath dabei schwer verletzt, allerdings hielt er sich auch zu nahe am Kampfgeschehen auf, als es für einen Oberkommandierenden üblich sein sollte. Der Attentäter konnte von uns zwar gestellt doch nur Vertrieben werden.
Auf dem Höhepunkt der Schlacht stellte sich Kharn, der Feldherr der Roten Hand selbst zum Kampf, wohl wissend, dass er keine andere Wahl hatte als selbst das Kampfgeschick zu wenden oder bei dem Versuch zu sterben. Die Rückkehr in die Wyrmrauchberge als Besiegter, würde ihm sehr wahrscheinlich ein grausameres Ende einbringen als hier auf dem Feld im Zweikampf zu sterben. Tatsächlich kämpfte er auch mit offenen Visier und wir hatten ihm nicht viel entgegenzusetzen. Das Schicksal schien jedoch seine schützende Hand über uns zu halten und wie durch ein Wunder gewannen wir auch diesen Kampf. Trotzdem kostete die Konfrontation Raydon, dem Gesandten der Hüter von Eth das Leben. Der unglückliche Verlauf des Kampfes ist auch in Teilen mir zuzuschreiben, da ich wertvolle Zeit damit vergeudete der schwerverletzten Teyana zur Hilfe zu eilen. Tatsächlich hat es einen Grund warum ich Geschäft und Privates für gewöhnlich immer streng getrennt halte. Im entscheidenden Moment kann ein echter Freund oder eine Geliebte auf dem Kampfplatz den Blick für das Notwendige trüben und den Tod aller bedeuten.

15. Rova 4005 AR – Nachtrag
Das größte ist vollbracht, doch es ist noch nicht gänzlich vorüber. Es sind noch Schulden zu begleichen. Dem Herrn der Geister wurde ein Phylakterium versprochen. Er blieb dem Kampfplatz fern wie vereinbart, daher müssen auch wir nun zu unserem Vertrag stehen. Das Tal ist noch voll von den versprengten Resten der Armee der Roten Hand. Viele davon versuchen verzweifelt in ihre Berge zurückzuerlangen andere haben begonnen auf eigen Faust und Rechnung zu Plündern. Das Bündnis von Fürst Jarmaath wird wohl noch den gesamten Herbst brauchen, bis alle Orte wieder zurückerobert und die Wege im Tal sicher sind. Der Sohn des Drachen ist immer noch da draußen, man muss sich zumindest Gewissheit über sein Schicksal verschaffen.

15. Rova 4005 AR – II Nachtrag (Nacht)
Raydon ist jetzt ein Gnoll. Es geht das Wort von einem seltsamen Ritual des Druidenzirkels. Offenbar sind seine Vorgesetzten noch nicht ganz fertig mit ihm. Würde ich für einen Auftrag in dieser Form zurückkommen oder wäre ich dankbar für den Frieden?

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Flo

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